Augen-scheinbar
Augen-scheinbar
Wenn die Augen dein einziger Sinnesorgan sind und andere Sinnesorganen wie Geruch, Tastsinn, Gehör und Geschmack ausgeschaltet sind, wie nimmst du dann die Realität wahr? Als „Bild“ auf einem Foto, einem Bildschirm, als Ausdruck? Bewegende Bilder sind immer noch wahrnehmbar mit deinen Augen. Aber wenn sich die Welt vor deinen Augen nicht bewegt, so wie auf einem Foto, alles steht still, dann scheint es vielleicht, dass deine Wahrnehmung nicht mehr ist als eine Sammlung einzelner Bilder, Bilder die willkürlich hintereinander geklebt wurden. Das ist jedoch nicht wahr, denn unsere Wahrnehmung von der Realität mit unsere Augen wird von unserem Denkvermögen begleitet. Unsere Erinnerung und unser Vorwissen über die Realität färben unsere Wahrnehmung, geben ihr eine Deutung und damit Bedeutung. Die Beschäftigung mit dem, was wir bereits kennen und wissen, legt die Grenzen für das fest, was wir tatsächlich sehen. Ein Kind lernt die Realität anhand einer Sprache, die es erlernt. So entsteht eine Bedeutung, die die spätere Wahrnehmungen prägt. Als Erwachsene können wir nicht bei Null anfangen, wenn wir alle anderen Sinne außer den Augen ausschalten.
Diese Gedanken kamen mir, als ich darüber nachdachte, dass ich Bilder (Fotos) von Landschaften in meinen (manchmal abstrakten) Landschaftsgemälden verwende. Das Foto ist der Ausgangspunkt, das heißt, eine statische Landschaft mit oder ohne Farbe (alte Fotos) regt mich dazu an, einen Teil dieser Landschaft hinzuzufügen. Und zwar auf expressionistische und vor allem impressionistische Weise. Den Eindruck, den die Landschaft auf dem Foto auf mich macht, drücke ich erneut expressiv in einem impressionistischen Gesamtbild aus Farben aus, einem Stimmungsbild, einer neuen und originellen Darstellung. Oft ist das Foto erst bei genauer Betrachtung sichtbar, viele oberflächliche Betrachter sehen es zunächst nicht.
Warum wende ich diese Methode an? Viele Landschaften (wie Berglandschaften) kenne ich nicht aus eigener Erfahrung. Ich kenne sie nur von Bildern. Dazu gehören auch Landschaften aus der Vergangenheit. Diese kommen nie wieder zurück, im Gegensatz zu Fotos einer Landschaft, die gestern aufgenommen wurden. Über das Internet finde ich Fotos. Wenn mich beispielsweise bestimmte Themen interessieren, verwende ich manchmal Bilder von Landschaften oder Situationen. Fotos, die ich selbst mache, oder (Urlaubs-)Fotos, die ich von anderen verwenden darf, bilden den Ausgangspunkt für meine Gemälde. Es handelt sich dabei immer um eine Auswahl, die auf persönlichen Vorlieben basiert ist. Es sind so viele Bilder im Umlauf, dass es unmöglich ist, im Internet nach passenden Bildern zu suchen. Deshalb verwende ich nur Bilder, die mich berühren (auch durch Fotos von Dokumentarfilmen im Fernsehen). Und der Zufall darf eine Rolle spielen. Nicht alles muss gemalt werden. Viele alte Urlaubsfotos, die sonst nur in Alben verstauben würden, werden für kleine abstrakte Landschaften verwendet. Und alte touristische Schnappschüsse, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts (1910-1960) für Touristen in kleinen Mappen gesammelt wurden, bilden manchmal den Anfang einer neuen Serie.
Neben dem Malen dieser Landschaften mache ich noch etwas, das für meine Arbeitsweise charakteristisch ist. Ich schaffe oft Landschaften in Serien, weil ich eine Reihe von Fotos von einem Gebiet oder einer Region habe. Nacheinander angeordnet bilden sie eine neue Sicht auf die Realität und zusammen mit selbst komponierter Musik vermitteln sie als Film einen Eindruck davon, wie ich diese Realität sehe und wie ich die Bilder nutze, die nun in einem neuen Kontext als Gemälde erscheinen. Es handelt sich nicht um eine Collagetechnik, sondern um einen Landschaft-mit-Foto-Prozess. „Foto mit Landschaft” ist allgemein bekannt, aber „Landschaft mit Foto” ist kaum bekannt. Das sieht man auch an den Hashtags im Internet. Filme, die ich auf diese Weise gemacht habe, sind auf einer meiner Websites zu finden: https://www.youtube.com/@canandanann-abstracts
Ich verwende Pigmente (gemahlene Farbstoffe), die ich mit Bindemittel (Acrylat-Bindemittel und/oder Kasein) und Wasser vermische. So erhält man eine wässrige Farbe. Deshalb male ich nicht auf einer Staffelei, sondern auf einem flachen Tisch. Ich verwende auch Sumi-e, eine Art pflanzlicher Farbstoff, der wie Tinte aussieht, aber keine ist. In Kombination mit Pigmenten kommt oft der Zufall ins Spiel, da die Farben miteinander reagieren. In den mehr als 50 Jahren, in denen ich male, habe ich viel Erfahrung im Umgang mit dieser Farbe, Papier und anderen Materialien gesammelt, mit denen ich arbeite. Auch die Verwendung verschiedener Bindemittel mit unterschiedlichen Pigmenten führt manchmal zu überraschenden Ergebnissen, die vorher nicht bekannt waren. Der Zufall durch die Verwendung und Zusammensetzung dieser Materialien spielt also eine große Rolle in meiner Arbeit. Auch wenn meist nur das Auge beim Betrachten des Endergebnisses – des Gemäldes – mitwirkt, ist der Betrachter eingeladen, sich selbst mit dem, was er wahrnimmt, und den damit verbundenen Assoziationen auseinanderzusetzen. Der Betrachter gibt seine eigene Interpretation und Deutung auf der Grundlage seiner eigenen Erfahrungen und Erinnerungen und verleiht dem Werk auf diese Weise auch eine (neue) Bedeutung. Gerne gebe ich Ihnen weitere Informationen zu meiner Arbeit. Kontaktieren Sie mich, wenn Sie dies wünschen.
John Hacking
https://www.behance.net/jeanhacquin
https://www.saatchiart.com/hacquinjean
Blogs:
https://levenshorizonten.com (auch mit Teksten über meine Arbeit als Maler)